Trust in Power: Roman Monsch, COO bei Exista, über Vertrauen, KI und Trends in den Bereichen Power Supplies und Power Electronics
Roman Monsch, Sie haben die Leitung als COO bei Exista anfangs 2026 angetreten. Welche Prioritäten standen in den ersten 100 Tagen im Vordergrund?
Als neuer COO habe ich meine ersten Monate hauptsächlich auf Zuhören, Nachfragen und Verstehen ausgerichtet. Durch persönliche Gespräche, Teilnahme an Meetings und informellen Diskussionen in der Kaffeeküche konnte ich ein tieferes Verständnis für die aktuelle Situation des Unternehmens entwickeln. Mir war es wichtig zu erfahren, wo Exista steht, welche Schwerpunkte wir verfolgen, wie unsere Prozesse ablaufen und inwieweit Optimierungen eine positive Wirkung auf die Marktleistung der Unternehmung haben. Zudem habe ich die internen kulturellen Unterschiede zwischen Teams sowie Beziehungen zu Kunden und Partnern unter die Lupe genommen. Ich bin mit der durchgeführten Analyse sehr zufrieden und werde in den kommenden Monaten mit geeigneten Massnahmen beginnen können.
Welche langfristigen Wachstumsziele hat sich Exista für die nächsten drei Jahre gesetzt?
Exista ist bereits auf Wachstumskurs und will weiter ausbauen. Wir wollen uns in den kommenden Jahren organisch und anorganisch weiterentwickeln. Wichtig für uns ist ein qualitatives und profitables Wachstum, um so zu den führenden Anbietern in unseren Tätigkeitsgebieten gehören zu können.
Der Claim «Trust in Power.» ist zentral. Wie übersetzen Sie dieses Versprechen in den operativen Alltag Ihrer Kunden?
Leistungselektronik und Netzteile für Investitionsgüter sind im Kern eine Vertrauensfrage. Wir schaffen dieses Vertrauen bei unseren Kunden, indem wir ihnen täglich die Sicherheit geben, sich auf uns verlassen und auf ihr Kerngeschäft konzentrieren zu können. Wir liefern kleine und in der Anwendung oftmals unsichtbare Komponenten. Doch ohne zuverlässiges Funktionieren dieser würde die Applikation stillstehen. Gemeinsam mit unseren Herstellern sind wir nahe am Puls der Technik. Dieses Zusammenspiel mit der Entwicklung schafft das Vertrauen, Ressourcen richtig einzusetzen und auf die richtige Technologie zu setzen. Unser Ziel: Die Kunden sollen mit einem technologisch und wirtschaftlich kompetitiven Gerät am Markt den Erfolg feiern können. Dann haben wir alles richtig gemacht.
Exista fokussiert sich auf Branchen wie Mobilität, Medtech, Infrastruktur, Industrie und Haushalt. Welche dieser Märkte werden in Zukunft die grösste Wachstumschance bieten?
Ich sehe das grösste Wachstumspotenzial in der Bahnindustrie sowie im Bereich der Datenzentren und der allgemeinen Infrastruktur. In der Mobilität, speziell bei der Bahn, wandelt sich das Geschäftsmodell weg vom reinen Produktverkauf hin zum kompletten Engineering und zur Bereitstellung standardisierter, hochkomplexer Lösungen. Ein konkretes Beispiel ist unser Projekt mit Bremsherstellern, wo wir elektrische statt hydraulische Systeme mitunterstützen. Parallel dazu erleben und erwarten wir einen massiven Infrastrukturausbau für Rechenzentren, angetrieben durch die KI-Transformation. Hier werden Netzteile zu kritischen Infrastrukturelementen, die speziellen Anforderungen wie Wärmeableitung und EMV-Schutz standhalten müssen. Auch die Energiespeicher- und Akkutechnologie wird für uns strategisch relevant bleiben, wobei wir hier den technologischen und wirtschaftlichen Reifegrad genau im Blick behalten. Unser Ziel ist der Fokus auf Branchen, welche in der Schweiz zu den tragenden Säulen gehören und auf starke Wettbewerbsfähigkeit angewiesen sind, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
Welche Trends beobachten Sie in den Bereichen Power Supplies und Power Electronics?
Im Moment ist wirtschaftliche Effizienz ein dominierendes Thema. Leistungselektronik und Netzteile erzeugen Wärme. Diese muss aufwändig und teuer abgeführt werden. Wir sorgen dafür, dass diese «Ineffizienz» bereits in der Entwicklung berücksichtigt wird. Effizientere Halbleiter sind in der Gesamtkostenbetrachtung immer die günstigere Wahl. Zwei Technologien sind nun marktreif und haben ein attraktives Preisniveau erreicht: Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN).
Was bedeutet für Sie Führung und wie spiegelt sich die Unternehmensidentität von Exista in Ihrer Führungsphilosophie wider?
Führung bedeutet für mich zu orchestrieren und sicherzustellen, dass alle im Team sich optimal entfalten und einbringen können. Dabei gilt es, Individuen zusammen zu bringen und gemeinsam in die gewünschte Richtung zu führen. Führung heisst für mich auch Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu nehmen. Meine Führungsphilosophie passt perfekt zur Exista-Identität: Vertrauen aufbauen, Inspiration schaffen und dabei fördern und fordern.
Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Inwiefern setzt sich Exista mit diesem Thema auseinander und wo setzen Sie KI bereits operativ ein?
KI betrachten wir als leistungsstarkes Werkzeug zur Optimierung unserer Prozesse. Operativ nutzen wir KI zum Beispiel im Research-Bereich, zum Protokollieren sowie zur Kreditorenverarbeitung. Das sind nur drei Anwendungen von vielen. Wir sind mitten in einer grossen Lern- und Experimentierphase und hinterfragen uns permanent, wie uns KI im täglichen Business entlasten könnte. Wichtigste Grundlage war für uns die Entwicklung eines internen KI-Manifests, das klare Leitplanken setzt: Keine sensiblen Kunden- oder Personendaten in öffentlichen Clouds, sondern der gezielte Einsatz lokaler, autarker LLMs sowie sicherer Enterprise-Lösungen. Wir investieren kontinuierlich in die Qualifikation unseres Teams, erarbeiten systematische Prompts und bauen internes Know-how auf, um KI intelligent zu steuern.
Wie schalten Sie ab und wo tanken Sie neue Energie?
Ich bin ein vielseitig interessierter und engagierter Mensch und pflege ein ausgewogenes Privatleben. Dabei sind mir Familie, Sport und Natur wichtig. Beim Kitesurfen kann ich abschalten, beim Triathlon auspowern und mich auf den Moment fokussieren. Ich geniesse aber auch gerne gemütliche Stunden in interessanter Gesellschaft bei feinem Essen und ab und zu einem guten Glas Wein. Balance finde ich auch beim Gitarrenspiel oder beim Lesen.
Welches Buch lesen Sie aktuell?
«Atomic Habits» von James Clear und «Playing to Win» von A.G. Lafley faszinieren mich gerade sehr. Beide Bücher unterstützen mich dabei, Gewohnheiten zu hinterfragen, Prioritäten klar zu setzen und Führung konsequent auf messbare Ergebnisse und nachhaltige Entwicklung auszurichten.
Mehr über Roman Monsch (Steckbrief)
Roman Monsch ist 44-jährig und lebt in Volketswil. Er ist gelernter Polymechaniker mit betriebswirtschaftlichen Weiterbildungen in Fachrichtung Supply Chain & Operation Management. Er hat über 20 Jahre Führungserfahrung in unterschiedlichen Funktionen und Branchen.